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TAG 9, Sonntag, 5. Juli

In einem Hotel in der Stadt Hovd, Mongolei, 230 Kilometer gefahren, Position: N 48?49.445 E 089?56.775

Sehen wir es mal positiv. Das wirklich Gute bekommt man nie geschenkt. Man muss es sich hart erarbeiten, um es dann würdigen und auch genießen zu können. Die Bedingungen in der Mongolei sind rau. Von Straßenverhältnissen kann man nicht wirklich sprechen. Von A nach B braucht man entweder gute Ortskenntnisse, Glück oder eng gesetzte GPS-Punkte. Genau diese habe ich mir gesetzt, um in jeder Situation Herr der Navigationslage zu sein. Eigentlich kann also gar nichts schief gehen, um zügig gen Süden zu kommen. Eigentlich... Die beiden tschechischen Pärchen hatten sich recht früh am Morgen verabschiedet. Ich war noch dabei, für das Roadbook zu schreiben, und außerdem dauert das Zusammenpacken allein eh etwas länger. Aus unerfindlichen Gründen klappte die Satellitenverbindung nicht. Es liegt wohl wieder am Notebook, das immer wieder Schwierigkeiten macht. Erster Frust am Morgen. Die Strecke gen Süden lässt sich hart an. Tiefer Schotter, Steine ohne Ende. Ich frage mich ernsthaft, wie lange die BMW und die Reifen das mitmachen. Der Hinterreifen ist ohnehin schon sehr strapaziert. Bei einem Halt rutscht mir der Seitenständer weg und das Motorrad liegt auf der Seite. Wenn ich doch wenigstens beim Fahren hingefallen wäre. Das ganze Gepäck abgebaut, den ?Bock? in die Senkrechte gebracht, das ganze Gepäck wieder angebaut. Eine gute halbe Stunde dauert so ein Procedere. Und weil es so schön war, wiederholen wir es wenig später noch einmal. Mittlerweile ist es Mittag, 30 Grad im Schatten. Das Fahren findet nur im Stehen statt. So ist die Belastung des Bikes und das Handling besser, die Übersicht sowieso. Auf die Landschaft achtet man kaum, eigentlich gar nicht. Die Piste fordert jedwede Konzentration. Ich sehe meine ersten Kamele in freier Wildbahn. Als ich die Kamera zücke, rennen sie weg. Ich habe keine Motivation, hinterher zu fahren. Auf einmal ist am Horizont eine große Staubwolke zu sehen. Natürlich, ein Pferderennen des Nachwuchses. Mitten auf der ?Hauptstrasse?. Die Steppkes reiten im wilden Galopp, ohne Sattel und zumeist mit Socken. Begleitet wird das Schauspiel von einem Dutzend Jeeps. Ich fahre hinterher. Es ist wohl so eine Art Familienfest der Umgebung. Die BMW und ich werden von Jung wie Alt bestaunt wie eine Rummelattraktion. Der Weg zur nächsten Stadt Hovd zieht sich. Durch zwei kleinere Flüsse muss ich durch. Auch eine Premiere, die wir aber halbwegs gut meistern. Unterwegs treffe ich Hannes aus München. Er ist mit seinem Fahrrad auf dem Weg von Moskau nach Peking ? und von den mongolischen Pisten schwer genervt. Nach 230 Kilometern erreichen wir Hovd, tanken und überlegen: Weiterfahren oder ein Hotel nehmen? Diese Strecke war in 25 Jahren die mit Abstand härteste Tour. 230 Kilometer in sieben Stunden. Was für ein schlechter Schnitt. Ich entscheide mich für das erste Haus am Platz. Wie das zweite Haus aussieht, möchte ich lieber nicht sehen. Nie fühlte sich eine kalte Dusche angenehmer als heute an. Auf einmal Motorengeräusch vor dem Hotel: die zwei tschechischen Pärchen fahren vor. Ich hatte sie den ganzen Tag nicht gesehen, obwohl unterwegs ein Einheimischer in perfektem Englisch berichtete, sie seien etwa fünf Kilometer vor mir. Die Tschechen geben auf. Zu zweit auf dem Motorrad ist es noch eine weitaus größere Tortour. Und von hier ab bis ins 600 Kilometer entfernte Altai soll es noch viel sandiger und noch viel härter werden. Sie haben sich einen Pickup-Truck mit Fahrer gemietet. Auch Hannes, der Radfahrer, kommt mit ihnen, sagen sie. Sie hatten ihn kurz nach mir getroffen. Er soll wohl auf der Ladefläche sitzen. 17 Stunden soll die Fahrt dauern. Sie wollen um 19 Uhr losfahren. Ich nutze die Zeit, Sachen zu ordnen, zu entsanden und zu entstauben und früh schlafen zu gehen. Die weitere Strecke Richtung Altai mit den Ausläufern der Wüste Gobi macht mir ein wenig Kopfzerbrechen. P.S. 1: Eben hat Hannes an die Tür geklopft. Ihm ist die Nachtfahrt mit dem Pick-up doch zu riskant. Da das Hotel offenbar ausgebucht ist, teilen wir uns das Zimmer. P.S. 2: Da die Satelliten-Verbindung nicht zustande kommt und die nächstmögliche Mobilfunkverbindung höchst unsicher ist, kann der nächste Roadbook-Eintrag nicht pünktlich garantiert werden. Sorry!