TAG 8, Sonnabend, 4. Juli
Im Zelt hinter Jurte, ca.10 Kilometer südlich von Ölgii, Mongolei, Position: N 48?49.445 E 089?56.775
Vom Brandenburger Tor bis zur mongolischen Westgrenze sind es auf dem Landwege also 6652 Kilometer. Wenn man nicht allzu viel bummelt, kann man die Strecke in sieben Tagen und neun Stunden bewältigen. Das erste Etappenziel unseres kleinen Projekts ist geschafft. Punkt 17 Uhr rollen wir bei strahlendem Sonnenschein über die mongolische Grenze. Was für ein Tag. Das Altai-Gebirge auf russischer Seite ist einer der schönsten Flecken, die ich bisher gesehen habe. Grüne Hügelketten, in der Ferne schneebedeckte Berge, die bestens ausgebaute Straße führt im Tal über hunderte von Kilometern an einem Fluss vorbei. Je näher wir der Mongolei kommen, desto asiatischer werden auch die Gesichter der Menschen. An einer Tankstelle treffe ich einen Russen. Er war in Karlshorst stationiert, vor 40 Jahren. Die Welt ist ein Dorf (oder eine Kaserne?). Unterwegs begegnen wir einem Radfahrer-Pärchen aus Kalifornien. Es ist von Peking nach Amsterdam unterwegs. Das sind die wahren Helden. Die beiden erzählen mir von vier Tschechen, die eine Stunde voraus seien Richtung Mongolei. An der russischen Grenze geht alles ganz schnell. In 40 Minuten sind die Formalitäten geschafft. Auf die sonst notwendige behördliche Registratur verzichtet der Beamte, als ich ihm die Aufkleber auf der BMW in kyrillischer Schrift zeige. Bei 4 Wochen und 20.000 Kilometern hat man keine Zeit sich zu registrieren. Das leuchtet ihm ein. Es geht 20 Kilometer durchs Niemandsland. An der mongolischen Grenzstation haben die Beamtinnen in ihren schnittigen Uniformen das Sagen. Hier treffe ich auf die zwei tschechischen Pärchen ? auf zwei Motorrädern. Auch hier ist die Prozedur schnell erledigt. Ob das Empfehlungsschreiben der mongolischen Botschaft etwas genützt hat? Noch etwas Geld gewechselt, für neun Euro eine Kfz-Versicherung abgeschlossen ? und dann bin ich drin. Und es beginnt die Realität. Die Straße ist keine. Das ist ein Acker, wenn überhaupt. Jetzt muss sich zeigen, was das Gelände-Fahrtraining gebracht hat. Über die Wellblechpiste heißt es nur noch ?heizen?, ab 80 km/h spürt man die Erschütterungen nicht mehr so stark. Die erste ?Stadt? nach der Grenze ist Tsagaanuur. Mehr eine Ansammlung von heruntergekommenen Häusern. Wir orientieren uns südlich, und treffen die Tschechen. Der Pfad ist eine Katastrophe. Entweder ist die BMW am Ende platt oder ich ? oder beide. Wir fahren bis zum Sonnenuntergang noch etwa 80 Kilometer, dann schlagen wir unsere Zelte in der Nähe von drei Jurten auf. Die Mongolen-Familie ist freundlich und lässt uns gewähren. Es ist still in der Mongolei. Nachts hört man nichts. Nichts. Auch eine Mobilfunkverbindung gibt es nicht. Das ist gut so. P.S.: Den ersten Sturz haben wir auch mit Bravour gemeistert. Zum Glück sind wir weich im Sand gelandet. Und die Tschechen waren zum Aufheben der Maschine da.






































