TAG 26, Mittwoch, 22. Juli
Göhren auf Rügen, Mecklenburg-Vorpommern, 710 Kilometer gefahren, Position: N 54?20.485 E 013?44.052
Die Polen haben Großes vor. Sie versiegeln weite Teile ihres Landes mit einer Asphaltdecke. Der Weg nach Danzig gleicht einer einzigen, nahezu nahtlosen Straßenbaustelle. Wir hangeln uns auf Nebenstraßen entlang, um vorwärts zu kommen. Drei Stunden brauchen wir für 150 Kilometer. Im Stau vor Danzig treffe ich Koen aus Holland. Er ist ohne Caravan, dafür mit seiner Africa Twin unterwegs. Wir beschließen, kurzerhand im historischen Stadtkern von Danzig einen Kaffee zu trinken. Danzig ist Touristenstadt. Wenn die unzähligen Besuchergruppen nicht die engen Straßen blockieren würden, könnte man die historischen Hausfassaden besser erkennen. Koen war acht Wochen in Skandinavien unterwegs, bis zum Nordkap ist er gefahren. Jetzt ist er auf dem Weg zurück nach Rotterdam. Heute Abend wird er in Berlin bei meinem Bruder Jan-Philipp übernachten. Koen meint, in Berlin gebe es auch gute Campingplätze. Ich kenne in Berlin keine Campingplätze. Die letzte große Etappe dieser Reise zieht sich wie einer dieser langen roten Lakritzfäden in die Länge. Etwa 80 Kilometer vor Stettin trennen sich unsere Wege. Koen nimmt die Autobahn Richtung Berlin, ich will über Landstraßen und Usedom gen Rügen. Polen entlässt uns im Dauerregen. In Heringsdorf steigt die ?Größte Party des Jahres? im Diskozelt, das örtliche Chinarestaurant heißt überraschend ?Peking?, und an der Bundesstrasse 111 lockt noch immer die Armee der Terrakotta-Krieger des ersten Kaisers von China Touristen an. Lidl hat jetzt schon Sonntagvormittag geöffnet. Hallo, Deutschland. Auf der Fähre nach Rügen treffe ich Michael und seinen Sohn Twarg. Sie sind auf Campingtour durch den Norden und kommen aus Goslar. Natürlich kennen sie das kleine Dorf im Harz, in dem meine Großeltern wohnten. Eine Gruppe Jugendlicher aus ?ALZ? gibt sich alle Mühe, jedwede Hoffung auf die künftige Wettbewerbsfähigkeit dieses Landes aufzugeben. Das offenbare Alphatier der Clique trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift ?Bombe rein ?Alltag raus?. Es ist etwa halb zehn und fast dunkel, als ich meiner Familie den gemütlichen Fernsehabend gründlich verhagele...







































