facebook
Tag 1Tag 2Tag 3Tag 4Tag 5Tag 6Tag 7Tag 8Tag 9Tag 10Tag 11Tag 12Tag 13Tag 14Tag 15Tag 16Tag 17Tag 18Tag 19Tag 20Tag 21Tag 22Tag 23Tag 24Tag 25Tag 26Tag 27Tag 28Tag 29

TAG 15, Sonnabend, 11. Juli

4. Tag im Oasis Guesthouse, Ulan Bator, Position unverändert: N 47?54706 E 106?58857

Das System Chinapfanne in der Eventgastronomie wird quer durch die Kulturkreise praktiziert. Je näher man an China heranrückt, umso weniger kann sich offenbar die Chinapfanne im kulinarischen Wettbewerb durchsetzen. Rund um die zentrale Naadam-Zeremonie von Ulan Bator dominiert in den mehr als einhundert Imbisszelten ein auf Schnitzeldünne breitgeklopfter Hackfleischfladen, der in einem Teigmantel frittiert wird. Dazu wird Ketchup gereicht. Naadam ist für die Mongolen, was für die Amerikaner der 4. Juli ist. In Deutschland kommt dem eine Mixtur aus Karneval und Tag der Deutschen Einheit wohl am Nähesten. Das Stadion von Ulan Bator ähnelt in Größe und bautechnischem Zustand der Alten Försterei (weit vor jedweder Renovierung). Naadam ist eine folkloristische wie staatstragende Leistungsschau, mit der die Mongolen durchaus überzeugend ihren Stolz auf Land und Geschichte feiern. Der Präsident spricht, die Nationalhymne wird mit großem Orchester abgespielt. Mit einem Konvoi (angeführt von einem Porsche-Cabrio, von dem ein mongolischer Achim-Menzel-Verschnitt in die Menge winkt) über die asphaltierte Stadionlaufbahn werden offenbar verdiente Persönlichkeiten des Landes geehrt. Reiter, Artisten, Bogen-Virtuosen und stämmige mongolische Ringer, alle in prachtvollen Kostümen, sind die optischen Highlights des Naadam-Festes. Das temporäre Landesflaggen-Tatoo auf den Wangen vieler Kinder und Jugendlicher ist ein weiteres Indiz für die globale Erwärmung für eine einheitliche Feierkultur. Ulan Bator ätzt sichtlich unter dem vom westlichen Lebensstil überrollten sozialistischen Erbe. Die Stadt ist weder schön und gepflegt noch einladend. Ich werde mehrmals eindringlich vor Taschendieben gewarnt. Wirklich vertrauenserweckend sind selbst bei helllichtem Tage nicht alle Gestalten, die in der Innenstadt umherziehen. Es ist schwül und regnet immer wieder. Es wird Zeit, Ulan Bator zu verlassen. Morgen soll, wenn das Wetter einigermaßen mitspielt, die Heimreise angetreten werden. Es geht zunächst nordwärts Richtung Russland, Richtung Baikalsee.