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TAG 14, Freitag, 10. Juli

3. Tag im Oasis Guesthouse, Ulan Bator, Position unverändert: N 47?54706 E 106?58857

Beschaulichkeit und Ruhe gehören grundsätzlich nicht zu den herausragenden Charakteristika asiatischer Großstädte. Ulan Bator, oder das, was ich bisher von der Stadt gesehen habe, macht keine Ausnahme. Was die in einem Talkessel gelegene Stadt von anderen unterscheidet, ist ihre überschaubare Ausdehnung. Auch wenn der urbane Orkan kleiner ausfällt, brodelt es im Auge ebenso wie in deutlich größeren Städten Asiens. Auffällig ist der ausgeprägte Kontrast zwischen bitterer Armut und selbstbewusst präsentiertem Wohlstand. Heute haben sich die technischen Schwierigkeiten mit Blick auf die weitere Teilnahme am Straßenverkehr in Wohlgefallen aufgelöst. Das neue Federbein kam mit der Morgenmaschine aus Berlin auf dem Dschingis Khan Airport an - und war zwei Stunden später verbaut. An dieser Stelle einen großen Dank an Buldgerel Tuvd, ohne deren Engagement von Berlin aus dieses nervenaufreibende Logistikprojekt nicht so gut funktioniert hätte. Gegen Mittag kamen schließlich auch die Reifen, die beim örtlichen Mercedes- Händler für einen stolzen Preis aufgezogen wurden. Erklärung des deutschsprachigen Servicepersonals: ?Der Mechaniker hat so etwas zum ersten Mal gemacht, darum hat es etwas länger gedauert.? Es gibt deutlich vertrauenserweckendere Statements. Im Mittelpunkt des Tages stand der Besuch auf der Leukämie-Krebsstation des Kinderkrankenhauses von Ulan Bator. Allein die bauliche Substanz und Ausstattung sind nicht annähernd mit mitteleuropäischen Verhältnissen zu vergleichen. Bröckelnder Putz, notdürftige Ausstattung und ein beißender Geruch von Desinfektionsmitteln bestimmen das Bild in dem heruntergekommenen Bau aus der Sowjetzeit. Es sei betont: Wir sind im mit Abstand besten Kinderkrankenhaus der Mongolei. ?Bei Leukämie haben wir eine Sterberate von 48 Prozent?, erklärt Dr. Sunjidan, die einen Teil ihrer Ausbildung in Österreich genossen hat. Dieser hohe Wert sei unter anderem auf die in der Mongolei nicht praktizierten Knochenmarkspenden zurückzuführen. Die Schicksale und das Leiden der kleinen Krebspatienten wie die Belastungen für Eltern und Familie unterscheiden sich in der Konsequenz nicht. Wir gehen an den Krankenzimmern vorbei. Zwei von fünf Kindern hätten keine Überlebenschance, sagt Dr. Sunjidan. Die Unterstützung aus dem Westen wie von den asiatischen Nachbarn sei mit der Finanzkrise fast gänzlich zum Erliegen gekommen. Nach wie vor gebe es auch keinerlei psychologische Unterstützung für die Eltern und Familien der kranken Kinder. Es fehle nicht nur qualifiziertes medizinisches Personal, man habe auf der Station auch mit dem steten Mangel an den für die Krebstherapie notwendigen Medikamenten zu kämpfen. Nur vier von 16 Medikamenten würden vom Krankenhaus zur Verfügung gestellt, den Rest müsse man privat organisieren. Unterstützung erhalte man zum Beispiel aus Tübingen, wo auch einige Ärzte des Hauses gearbeitet haben. Und doch gebe es auch Positives. Man arbeite daran, eine Kinderstation für Tumorerkrankungen einzurichten. Bislang werden Kinder mit dieser Form der heimtückischen Krankheit auf der regulären Erwachsenenstation behandelt. Ich verlasse das Krankenhaus mit Ernüchterung und der Frage, welche wirklich greifbare Unterstützung man von unserer Seite leisten kann. Wir werden darüber in Berlin sprechen. Begleitet wird unser Besuch im Krankenhaus übrigens von gleich zwei Fernsehteams. In der Mongolei gibt es 14 private Fernsehstationen - für 2,5, Millionen Einwohner. P.S.: Es hat heute ausgiebig geregnet. Die zivilen Kleidungsstücke sind nach der Motorradfahrt durch die Stadt völlig durchnässt. Ich habe mein Zelt zwischen den Gäste-Jurten aufgebaut. Das Oasis ist über die Feiertage komplett ausgebucht. Ich hatte leider versäumt, rechtzeitig zu reservieren. Toll!