TAG 13, Donnerstag, 9. Juli
2. Tag im Oasis Guesthouse, Ulan Bator, Position unverändert: N 47?54706 E 106?58857
Heute ist der 13. Reisetag von ?Kilometer für KINDerLEBEN?. Die Tatsache, nicht einen Meter ? durchaus auch im übertragenen Sinne ? vorangekommen zu sein, drückt doch ein wenig auf die Stimmung. Weder die Ersatzreifen haben trotz zahlreicher Telefonate ihren Weg auf die Felge gefunden, auch ist mit dem Federbein aus Deutschland frühestens morgen Mittag zu rechnen. Es wird langsam Zeit, Distanz zu den doch typisch deutschen Attitüden von stringenter Projekt- und Problemabarbeitung zu gewinnen. Die Dinge sind alle lösbar. Die Frage ist nur: wann? Irgendwann! Auf den Straßen Ulan Bators hat das mongolische Sommermärchen schon begonnen. Während wir Deutschen einmal alle 50 Jahre im Kontext eines durchaus ernst gemeinten Ringens einer Randsportart kollektive Ausgelassenheit zelebrieren, verordnen sich die Mongolen jährlich mit dem Naadam-Fest eine Auszeit von jeglichen einengenden Normen. Dabei gibt es durchaus verbindende interkontinentale (Wink-) Elemente. Fast jedes dritte Auto hat einen undekorativen Plastikstab zwischen Fenster und Rahmen geklemmt, an dem eine mongolische Flagge im Fahrtwind zappelt. Die Globalisierung macht vor den mutierten Riten der Zurschaustellung allgemeiner, national-orientierter Fröhlichkeit nicht Halt. Naadam, das ist die historische Dreierkombi aus Reiten, Ringen und Bogenschießen nach traditioneller Art und in ebensolchen Kostümen. Vor, während und nach dem dreitägigen Naadam-Fest gehört der Wodka-Konsum bei den ohnehin trinkfesten Khan-Erben zum allgemeinen Standard. Ich habe eine der begehrten Eintrittskarten für die Auftaktveranstaltung am Sonnabend im Stadium von Ulan Bator. Wie mir bestätigt wurde, ist in der Naadam-Zeit durchaus mit Einschränkungen im Dienstleistungsbereich, so auch bei Kfz-Reparatureinrichtungen, zu rechnen. Im Klartext: Wenn ich am Freitag nicht die wesentlichen Dinge am Motorrad geregelt bekomme, dann geht es frühestens am Dienstag weiter. Spätestens am Dienstag will und muss ich wieder gen Norden Richtung Russland aufbrechen, um den Zeitplan einzuhalten. Da war sie wieder, meine typisch deutsche Sicht auf die Dinge? ...und die wiederholte Einsicht, dass es nicht von Schaden gewesen wäre, in postpubertären Jahren einen handwerklichen Beruf zumindest erlernt zu haben. So wäre man für die wirklich elementaren Situationen des Lebens gewappnet. Aktuell würde sich eine Ausbildung im Kfz-Handwerk durchaus als nützlich erweisen. Den Öl- und Ölfilterwechsel an der BMW haben wir noch mit Bravour gemeistert. Anspruchsvoller gestaltete sich der Ausbau des defekten Federbeins, insbesondere aufgrund der mangelhaften Ausstattung mit dafür notwendigen Werkzeugen. Mit Hilfe von Andreas (Motorradjournalist und zusammen mit Claudia auf mehrmonatiger X-Länder-Tour) und dem Zweiradweltreisenerfahrenen Otto aus der Schweiz wurde aber auch diese Operation an der freiliegenden Kardanschwinge erfolgreich absolviert. Heute erreichte mich ein Anruf des besten Radiosenders überhaupt: ?Radio 1? will am Sonntag um 12.10 Uhr ein Live-Interview über ?Kilometer für KINDerLEBEN? führen. Die Sendung heißt ?Die Sonntagsfahrer?. Das passt ja ?





































