TAG 12, Mittwoch, 8. Juli
Oasis Guesthouse, Ulan Bator, Position: N 47?54.706 E 106?58.857
Kurz vor den Toren Ulan Bators hatte sich nicht nur der Himmel etwas getrübt, auch die Stimmung zwischen den Truckern und mir war etwas angespannt. Wir hatten für die weitere Fahrt von Arvaikheer bis Ulan Bator einen Aufschlag von 75 Dollar vereinbart. Nun sollten es plötzlich 150 Dollar sein. Ich beschließe, mich zunächst zum Oasis Guesthouse im Osten der mongolischen Kapitale bringen zu lassen. Das Oasis wird von einem deutsch-österreichischen Paar betrieben und genießt in der Traveller-Gemeinde den besten Ruf. Dank der bekannten GPS-Koordinaten gelingt die Orientierung problemlos. Doch wie die BMW vom LKW bekommen? Kaum sind wir vorgefahren, sind wir umringt von Helfern. Und mit zehn Leuten hieven wir tatsächlich das Motorrad sicher vom Laster. Mit den mongolischen Truckern einige ich mich schließlich (und durch Vermittlung von Oasis-Chefin Sybille) auf 100 Dollar. Sie ziehen etwas mürrisch von dannen. Ulan Bator - das Ziel ist erreicht. Doch die große Hochstimmung will bei mir nicht aufkommen. Die 1400-Kilometer-Piste nicht mit dem Motorrad gefahren zu sein, ist ganz klar eine Enttäuschung. Dieser bestimmt anspruchsvollste Abschnitt der Tour sollte der Höhepunkt sein. Im Nachhinein glaube ich, die wirklichen Verhältnisse, gerade in der Wüste Gobi, unterschätzt zu haben. Unter Zeitdruck dieses mehr als anspruchsvolle Terrain im Alleingang bewältigen zu wollen, birgt doch viel mehr unkalkulierbare Risiken als gedacht. Offroad-Reisen mit diesem zeitlichen Limit vorwiegend am Reißbrett zu planen, ist definitiv zu kurz gesprungen. Man braucht schlichtweg die praktische Erfahrung, um die Bedingungen realistisch einschätzen zu können. Buchen wir also den technischen Defekt als Erfahrung und vielleicht auch als Wink des Schicksals ab. Mehr ist jetzt eh nicht mehr drin. Es hatte schließlich auch etwas Gutes. Ohne die Trucker wäre ich bestimmt nicht in den Jurten der einheimischen Landbevölkerung gewesen und wäre mit den Gebräuchen der hiesigen Gastronomie vertraut geworden. Offenbar wird der Reisende grundsätzlich von den Jurten-Bewohnern gegen entsprechendes Entgelt beköstigt. Die Menüauswahl scheint überschaubar; es gab stets vergorene Stutenmilch und die obligatorische, frisch zubereitete Hammelfleischsuppe für 1400 Tugrik, etwa einen Dollar. Im Oasis habe ich ein Bett in einer Jurte bezogen, die ich mir mit zwei Motorradfahrern aus der Schweiz und Deutschland teile. Die Gespräche drehen sich um das Woher und Wohin sowie die übliche ?Benzinfachsimpelei?. Am Nachmittag war Uwe Zimmer auf zwei Bier und ein Wiener Schnitzel vorbei gekommen. Er hatte von der ?Kilometer für KINDerLEBEN?-Aktion gehört und das Roadbook verfolgt. Uwe ist Berliner, Brauer von Beruf und hat in Ulan Bator vor einigen Jahren für einen holländischen Konzern die erste Brauerei der Mongolei mit aufgebaut. Er wird mit seiner Familie wohl ein, zwei Jahre in Ulan Bator bleiben. Seine Frau ist zurzeit in Berlin, wo sie gerade den zweiten Nachwuchs zur Welt gebracht hat. Uwe berichtet von den meteorologischen Extremen der Mongolei, dem Smog in Ulan Bator und dem landschaftlich schönen Umland der Hauptstadt. Ich organisiere einen Werkstatt-Termin für die BMW, mache selbst einige kleine Reparaturen am Motorrad und versuche, den gröbsten Staub aus den Sachen zu bekommen. Es lockt die erste Nacht in der Jurte. Gut so ? die Batterie muss dringend aufgeladen werden.







































