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TAG 11, Dienstag, 7. Juli, 22 Uhr

Auf der Piste, ca.100 Kilometer südöstlich der Stadt Arvaikheer, Position: N 45?51.462 E 102?01.657

Wir sind jetzt 28 Stunden unterwegs. Hinten im Kastenaufbau ist die BMW sicher vertaut, eng gepolstert von großen, mit Kamelwolle (oder sagt man Kamelhaar?) gefüllten Hanfsäcken. Es staubt gewaltig. Kamelwollestaub!  Das Trucker-Duo und ich teilen uns die Fahrerkabine inklusive der für asiatische Menschen ausgelegten Schlafkabine. Knapp 1000 Kilometer sind wir bislang über diese mörderischen Pisten geschlichen und gebrettert. Die Südroute nach Ulan Bator ist kein Genuss. Keine Ahnung, warum ich mich im Vorhinein nicht für die landschaftlich viel reizvollere Nordroute entschieden habe. Die möglichen Unpässlichkeiten der zu dieser Jahreszeit dort stark anschwellenden Flüsse hätte man riskieren sollen. Wir fahren in die Nacht, was für den Pistenlaien nicht wirklich eine vertrauenswürdige Aktion ist. Doch mein Trucker-Duo scheint nicht nur versiert und ein eingespieltes Team, es ist sehr gastfreundlich und fürsorglich. Da sich mein Mongolisch in den ersten drei Tagen nicht wesentlich verbessert hat, bleibt der Austausch auf das Wesentliche beschränkt. Auf der Hauptpiste zu bleiben ist nachts noch schwieriger und selbst für Profis nicht trivial. Irgendwann fahren wir mitten durch die Steppen, ohne jedwede Orientierung. Als wir auf eine Jurte stoßen, wird der Bewohner schlichtweg heraus und die Wegesauskunft eingeholt. Die Bedürfnisse in der Steppe sind sehr, sehr basisorientiert.  Als es dämmert halten wir erneut an einer Jurte. Drinnen kocht die Dame des Hauses etwas aus Kohl, Kartoffeln und Fleisch über dem Holzofen mitten im Raum. Daneben sitzt wohl ihr Mann, in seinem Rücken schlafen zwei Kinder von vielleicht drei und vier Jahren. Auch andere Mongolen in ihren langen Mänteln und ledernen Reiterstiefeln warten auf ihr Essen. Ihnen gehören auch die voll bepackten Motorräder vor der Jurte. Die Familie betreibt offenbar eine Art Schnellimbiss. Ich bekomme meine erste vergorene Stutenmilch gereicht. Trinkbar, aber für meinen Geschmack nicht unbedingt ein Hochgenuss.  Etwas später halten wir noch einmal in einem kleinen Dorf zum Lunch. Es gibt Nudelsuppe mit Hammelfleisch. Es gibt offenbar immer irgendetwas mit Hammelfleisch. Man gewöhnt sich an das von einem steten Durchschütteln begleitete Fahren. Selbst mit dem Schlafen klappt es zwischendurch immer wieder. Es sind deutlich über 30 Grad, die nahe Gobi ist zu spüren. Immer wieder halten wir an und checken den Truck, der nach westeuropäischen Maßstäben in einem bemitleidenswerten Zustand ist. Einmal schrauben die beiden eine Stunde lang an der Federung des Trucks. Die leidet offenbar am meisten. Aber davon kann ich ein Lied singen. Der Pistenzustand und die sengende Sonne drängen mich zur Frage, wie und in welcher Zeit ich auf meinem Motorrad durch diese menschenfeindliche Region gekommen wäre. Auch wenn die Magie der Wüste zu spüren ist, berichtete ja bereits Motorradfreund Olivier, dass er sich vor lauter Konzentration auf den Weg um die Landschaft nicht ansatzweise gekümmert habe. Ich habe ernsthafte Zweifel, ob mein Plan, diese Route als Solo-Tour zu planen, wirklich so ausgefeilt war. Im Nachhinein ist man immer schlauer, und das Schicksal hat mich ja nun um diese Erfahrung gebracht. Hannes, den Radfahrer, hatten wir übrigens 50 Kilometer nach dem Start in Hovd getroffen. Er war trotz des Angebots in den Truck zu steigen wild entschlossen, die Fahrt fortzusetzen. Hannes scheint ein sehr besonnener Mensch zu sein. Trotzdem mache ich mir Gedanken, wie er es durch die Wüste schafft.   Mittlerweile ist es stockfinster. Wir halten an, weil Trucker-Kumpanen meines Fahrer-Duos offenbar eine Reifenpanne haben. Die scheint behoben, wir fahren weiter...  P.S.: Es ist mittlerweile Mittwochvormittag. Wir sind 20 Kilometer vor Ulan Bator. Ich wollte eigentlich die letzten 400 Kilometer mit der BMW zurücklegen. Doch das wäre mitten in der Nacht wohl Schwachsinn gewesen. Und außerdem ist, wie ich eben bemerkt habe, der Hinterreifen platt. Wir warten, um die Kamelwollesäcke abzuliefern. Aber der Kunde ist offenbar nicht da. Mein Mongolisch ist wieder nicht besser geworden. Verstehe nur unzureichend. Da sollen sie mich bei der örtlichen Mercedes-Vertretung abladen. Der Besitzer ist Deutscher, und über das hilfsbereite Martin Platta vom Kempinski in Ulan Bator hatte ich meine Ankunft schon vor Wochen ankündigen lassen. Wird schon alles irgendwie klappen...